Abstieg nach großem Kampf: SGL verabschiedet sich aus der Oberliga

von MK

Hängende Köpfe, leere Blicke und dennoch Applaus von den Rängen. So endete für die SG Lauterstein eine Saison, die den Blau-Gelben über Monate hinweg alles abverlangt hatte. Obwohl die Mannschaft am letzten Spieltag ihre Hausaufgaben erledigte und den bereits feststehenden Meister aus Unterensingen in der Kreuzberghalle souverän mit 30:22 bezwang, reichte es am Ende nicht mehr zum Klassenerhalt.

Nach 26 Spieltagen steht für die SG Lauterstein Platz 12 mit 23:29 Punkten und damit der bittere Gang in die Verbandsliga. Eine Entscheidung, die sich nach dem Schlusspfiff weniger wie das Ende eines einzelnen Spiels, sondern vielmehr wie die Summe vieler kleiner Momente anfühlte. Zu oft fehlten in dieser Saison nur wenige Minuten, ein Treffer, eine Parade, ein abgeklärter Angriff oder einfach ein bisschen Spielglück.

Dabei hatte die Runde für die SGL alles andere als schlecht begonnen. Nach einer intensiven Vorbereitung gingen die Blau-Gelben mit einem breiten und wettkampffähigen Kader in die neue Baden-Württemberg-Oberliga-Saison. Einzig René Adelhelm, der sich im Sommer einer Schulteroperation unterziehen musste, stand der Mannschaft über die ganze Saison hinweg nicht zur Verfügung. Mit viel Energie, Selbstvertrauen und einem echten Kraftakt startete Lauterstein schließlich in die neue Spielzeit. Gegen die HSG Langenau/Elchingen feierte die SGL zum Auftakt einen nervenaufreibenden 30:29-Heimsieg und setzte direkt ein erstes Ausrufezeichen. Eine Woche später folgte beim Aufsteiger SKV Unterensingen der nächste starke Auftritt. Beim 27:20-Auswärtssieg überzeugte die Mannschaft vor allem über eine bärenstarke Abwehr und einen glänzend aufgelegten Dennis Weiland im Tor. Nach zwei Spieltagen stand die SGL mit 4:0 Punkten da, ein mehr als solider Saisonstart, der Hoffnung machte.

Doch schon früh zeigte sich, wie eng Freud und Leid in dieser Saison beieinanderliegen sollten. Gegen den TV Hardheim lag die SGL zur Pause bereits mit 15:10 in Führung, hatte den Gegner eigentlich im Griff und verpasste trotzdem den dritten Sieg im dritten Spiel. Am Ende stand eine bittere 27:28-Heimniederlage, die nicht nur sportlich schmerzte. Überschattet wurde die Partie von der Knieverletzung von Niklas Nagel, der sich bereits in der Anfangsphase bei einem Tempogegenstoß verletzte und der Mannschaft fortan nicht mehr helfen konnte. Es war der erste größere Nackenschlag einer Saison, in der die SGL immer wieder mit Ausfällen und Rückschlägen zu kämpfen hatte. Gerade diese Verletzungssorgen wurden im weiteren Verlauf immer deutlicher.

Was im Oktober noch wie ein ärgerlicher Dämpfer nach gutem Start wirkte, entwickelte sich bis zum Ende der Hinrunde zu einer echten Belastungsprobe. Luca Helfrich und Alexander Eberhardt hatten beide mit Schulterproblemen zu kämpfen und standen der Mannschaft dadurch erstmals nichtmehr wie gewohnt zur Verfügung. Tim Lackinger schleppte sich bereits von Saisonbeginn an immer wieder mit muskulären Problemen im Oberschenkel durch die Runde. Dazu kam die lange Ausfallliste, die den Kader Woche für Woche veränderte und Trainerteam wie Mannschaft immer wieder zum Improvisieren zwang. Im November wurde die personelle Situation schließlich besonders deutlich. In Bietigheim reiste die SGL mit einer stark dezimierten Mannschaft an. Insgesamt standen nur neun einsatzfähige Feldspieler zur Verfügung. Sieben verletzte Spieler. Die deutliche 28:42-Niederlage bei der SG BBM Bietigheim 2 wurde sinnbildlich für diese Phase: Lauterstein wollte, konnte aber personell und körperlich nicht mehr alles kompensieren. Besonders bitter traf es die SGL auch nach dem Bietigheim-Spiel. Tim Ziller zog sich infolge einer offenen Wunde eine schwere Blutvergiftung zu und fiel dadurch über drei Monate aus. Ein weiterer Ausfall, der nicht nur sportlich schmerzte, sondern auch sinnbildlich für diese Saison stand: Immer wenn die Blau-Gelben hofften, personell wieder etwas mehr Luft zu bekommen, kam der nächste Rückschlag dazu.

Nach dem guten Start rutschten die Blau-Gelben dadurch in einen zwischenzeitlichen Hänger. Spiele, die zu Saisonbeginn vielleicht noch über Kampf, Breite und Selbstvertrauen gezogen worden wären, kippten nun zu oft in die falsche Richtung. Die Mannschaft verlor Stabilität, musste immer wieder improvisieren und bekam keine richtige Konstanz mehr in ihr Spiel. Immer wieder halfen Spieler aus der „1b“ aus, um den Kader überhaupt spielfähig zu halten. Dass die Mannschaft über weite Strecken der Saison praktisch nie komplett antreten konnte, wurde zu einem der entscheidenden Faktoren dieser Runde. Trotzdem blieb der Eindruck: Auch in schwierigen Wochen kämpften die Blau-Gelben weiter, suchten nach Lösungen und hielten sich mit einzelnen Erfolgserlebnissen im Rennen. Dass Spieler angeschlagen auf die Zähne bissen, Rückkehrer wie Kapitän Mario Kölle früher als geplant wieder Verantwortung übernahmen und die 1b immer wieder unterstützte, zeigt auch, wie viel Zusammenhalt in dieser schwierigen Saison innerhalb des Vereins vorhanden war.

Zum Jahreswechsel aber wurde die Lage aber nochmals zunehmend prekärer. Der Start in das Jahr 2026 misslang gründlich. Die Niederlage im Vier-Punkte-Spiel bei der TSG Söflingen, der Last-Minute-Ausgleich in Bönnigheim, weitere Rückschläge in Hardheim und eine deutliche Klatsche zuhause gegen Viernheim, all das sorgte dafür, dass die SGL immer tiefer in den Tabellenkeller rutschte. Die Mannschaft suchte weiter nach der Initialzündung, nach diesem einen Spiel, das wieder Energie, Glauben und Leichtigkeit zurückbringen würde. Diese Initialzündung kam zunächst mit dem ersten Sieg des Jahres gegen Bönnigheim. Danach blieb Lauterstein auch in Flein und gegen Leutershausen ungeschlagen und arbeitete sich Schritt für Schritt wieder heran.

Doch die richtig turbulente Woche folgte im März. Nach drei Jahren mit Andy Frey entschied der SGL-Vorstand, zur neuen Saison einen neuen Impuls auf der Trainerposition setzen zu wollen. Frey nahm sich nach der Verkündung Bedenkzeit und kam schließlich zu dem Entschluss, sein Traineramt sofort zu beenden, auch in der Hoffnung, dass der Impuls der Mannschaft im Abstiegskampf helfen könnte. Bis Saisonende übernahm Markus Stuber, Trainer der zweiten Mannschaft, interimsweise die Verantwortung. Und der Einstand hätte kaum besser laufen können. Gegen die favorisierte SG BBM Bietigheim 2 zeigte die SGL in der Kreuzberghalle eine starke Reaktion auf die Ereignisse der Tage zuvor. Lauterstein präsentierte sich geschlossen, griffig in der Abwehr und mit einer Körpersprache, die in dieser Phase dringend gebraucht wurde. Der deutliche 32:23-Heimsieg war mehr als nur ein Erfolg auf dem Papier.Es war ein Signal an die Liga und an die eigenen Köpfe: Die SGL lebt noch.

Es folgten Wochen, in denen die Kreuzberghalle wieder zu dem Ort wurde, an dem die Blau-Gelben ihren Glauben an den Klassenerhalt neu entfachten. Gegen die Handballwölfe Plankstadt gelang ein enorm wichtiger 28:25-Heimsieg, mit dem die SGL zwischenzeitlich wieder über den Strich sprang. Auch Lucas Lenz stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Eigentlich war sein Comeback erst zur neuen Saison geplant gewesen, doch angesichts der angespannten personellen Lage zog er seine Rückkehr vor, um der Mannschaft im Abstiegskampf zu helfen. Diese Rückkehrer, die Unterstützung aus der 1b und der Wille vieler angeschlagener Spieler, sich dennoch in den Dienst der Mannschaft zu stellen, prägten den Schlussspurt der SGL. Lauterstein war in dieser Saison selten komplett, aber immer wieder bereit, gemeinsam Lösungen zu finden. Auch auswärts bei der SG Hegensberg/Liebersbronn setzte die SGL ein dickes Ausrufezeichen. Beim 28:27-Erfolg zeigte die Mannschaft genau die Nervenstärke, die es in solchen Spielen braucht. Die Blau-Gelben hatten den Klassenerhalt plötzlich wieder selbst in der Hand.

Doch genau darin lag am Ende auch die ganze Bitterkeit dieser Saison. Im direkten Duell gegen Söflingen verpasste Lauterstein beim 27:27 den nächsten großen Schritt. Nach schwacher erster Halbzeit kämpfte sich die Mannschaft zurück, drehte die Partie beinahe noch und rettete zumindest einen Punkt. Doch schon damals war spürbar, dass dieser eine Zähler eigentlich zu wenig war. Noch bitterer wurde es eine Woche später beim direkten Konkurrenten in Langenau. Bis zur 55. Minute sah vieles nach einem Lautersteiner Auswärtssieg aus, ehe vier Minuten reichten, um aus einem Drei-Tore-Vorsprung eine 26:27-Niederlage zu machen.

Es waren genau solche Momente, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zogen. Trotz allem stemmte sich die Mannschaft bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg. Gegen Unterensingen lieferte die SGL noch einmal einen Auftritt ab, der eines Saisonfinales würdig war. Konzentriert, kämpferisch und mit der nötigen Ernsthaftigkeit erledigten die Blau-Gelben ihre Aufgabe. Doch während in der Kreuzberghalle die eigene Führung immer deutlicher wurde, wanderte der Blick immer wieder nach Wolfschlugen. Dort entwickelte sich genau das Szenario, das aus Lautersteiner Sicht nicht eintreten durfte. Söflingen holte den entscheidenden Punkt und rettete sich am Ende vor der SGL über die Ziellinie.

So blieb der SGL trotz eines starken Saisonabschlusses nur die bittere Erkenntnis, dass der eigene Sieg nicht mehr genug war. Die Mannschaft hatte noch einmal alles auf die Platte gebracht, die Lautersteiner Anhänger hatten von den Rängen noch einmal alles gegeben, doch der Lohn blieb aus. Nach Abpfiff war die Enttäuschung entsprechend groß. Nicht, weil die Blau-Gelben an diesem Abend etwas vermissen ließen, sondern weil der Abstieg nach einer langen, kräftezehrenden Saison endgültig feststand.

Diese Spielzeit wird in Lauterstein vor allem als eine Saison der engen Spiele, der Verletzungssorgen und der verpassten Chancen in Erinnerung bleiben. Ein guter Start, ein personell schwieriger Herbst, ein zäher Winter, ein Trainerwechsel mitten im Abstiegskampf und ein emotionaler Schlussspurt, diese Runde hatte alles, was Handball brutal machen kann. Immer wieder zeigte die SGL Moral, kämpfte sich nach Rückständen zurück und bewies Charakter. Gleichzeitig kosteten schwächere Phasen, fehlende Konstanz, fehlende personelle Breite und bittere Schlussminuten am Ende zu viele Punkte. Gerade im Tabellenkeller sind es oft die kleinen Dinge, die über Klassenerhalt oder Abstieg entscheiden. Für Lauterstein entschieden sie in dieser Saison zu oft gegen die Blau-Gelben. Dennoch verabschiedet sich die SG Lauterstein mit Anstand aus der Baden-Württemberg Oberliga.

Die Mannschaft hat bis zum Schluss gekämpft, sich nicht hängen lassen und auch in schwierigen Phasen gezeigt, dass sie lebt. Für einige Spieler war es zugleich der letzte gemeinsame Auftritt im SGL-Trikot, was den Abend zusätzlich emotional machte. Nico Abele und Georg Alrachid möchten ihre Handballkarriere zunächst beenden, Marc Allmendinger sucht bei der HSG Ostfildern nach einer neuen Herausforderung.  

Ein besonderer Dank gilt außerdem Andy Frey, der die SG Lauterstein in einer echten Umbruchsaison übernommen und die Mannschaft durch eine intensive, herausfordernde Zeit geführt hat. Auch wenn sich die Wege im Saisonendspurt trennten, bedankt sich die Mannschaft ausdrücklich für seinen Einsatz, seine investierte Zeit und sein Herzblut für die SGL.

Ein weiterer Dank gilt den Fans der SG Lauterstein, die die Mannschaft auch in dieser schwierigen Saison immer wieder unterstützt haben. Ob zuhause in der Kreuzberghalle oder auswärts in Langenau, Hegensberg oder in Unterensingen. Die Unterstützung war spürbar und alles andere als selbstverständlich. Auch wenn es am Ende sportlich nicht gereicht hat, bleibt genau dieser Zusammenhalt ein wichtiger Baustein für das, was nun kommt.

Für die Blau-Gelben heißt es jetzt Wunden lecken, die Saison aufarbeiten und den Blick nach vorne richten. Der Abstieg tut weh, keine Frage. Doch die SGL hat in den letzten Wochen gezeigt, dass in dieser Mannschaft Charakter, Qualität und Leben steckt. Genau darauf wird es nun ankommen, wenn in der Verbandsliga ein neues Kapitel beginnt.  

SG Lauterstein: Kölle (149 Tore/17 Spiele), Clement (95/26), Allmendinger (89/26), Fy. Lackinger (75/26), Helfrich (64/15), T. Lackinger (57/17), Eberhardt (49/22), Bäuerle (49/21), Abele (33/19), Schattner (25/26), B. Lenz (20/16), Ziller (14/15), L. Lenz (13/9), Fetscher (6/10), C. Stuber (6/4), Nagel (6/3), Fa. Lackinger (5/26), Edelmann (2/4), Grupp (1/2). Im Tor: Alrachid (20 Spiele), Steuernagel (25 Spiele), Weiland (2/25 Spiele).